Der höchste Punkt in Oldenstadt erstrahlt in neuem Glanz!
Ein Herbststurm im November 2008 hob die historische Wetterfahne von 1621 aus ihrer Verankerung auf der Turmspitze der Oldenstädter Klosterkirche. Die fragilen Bruchstücke wurden auf dem Kirchhof und in der Dachrinne aufgefunden.
Die Idee, die losen Teile wie ein Puzzle wieder zusammenzufügen und miteinander zu verlöten, wurde verworfen, das Ergebnis hätte nicht überzeugen können und doch immer ausgesehen wie halbherzige Flickschusterei. So wurde in der Kirchengemeinde der Entschluss gefasst, eine neue Wetterfahne fertigen zu lassen.
Bilder des Tages und der montierten Wetterfahne
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Nachdem die Finanzierung durch die Kirchengemeinde, dankenswerterweise unterstützt durch die großzügigen Spenden mehrerer Sponsoren, sichergestellt war, entfernten die Spezialisten der Metalldrückerei Müller aus dem sächsischen Wurzen im September 2011 die verbliebenen Relikte des antiken Dachschmucks und fertigten in sorgfältiger Handarbeit originalgetreue Nachbildungen, die im November 2011 ihren Platz auf dem Turmdach der Klosterkirche in Oldenstadt bekommen und so wieder den höchsten Punkt des Ortes markieren sollten.
Die Hoffnungen, in der großen metallenen Kugel, die sich unter der alten Wetterfahne befand, wertvolle zeitgeschichtliche Dokumente vorzufinden, haben sich leider zerschlagen, denn die alte Kugel wies mehrere wohl in den vorangegangenen Kriegen zugefügte Einschusslöcher auf, so dass Feuchtigkeit eindrang und die alten Dokumente, die von den Bauherren seinerzeit in die Kugel gelegt wurden, bis zur Unkenntlichkeit vermodern ließ.
Der Bausachverständige unserer Landeskirche, Herr Cordes, hat den Metalldrückerbetrieb Müller aus Wurzen auf einer Fachmesse kennengelernt. Christoph Müller arbeitete schon vor der Wende als Metalldrücker und baute sich seinen als Familienunternehmen geführten Handwerksbetrieb nach anfänglichen Startschwierigkeiten mit sehr viel Ehrgeiz und Elan zum gefragten Spezialbetrieb für Metalldrückerei auf. Großen Wert legt Christoph Müller darauf, dass sein Beruf nicht mit dem des Dachdeckers verwechselt wird. Nicht ohne Stolz meint er: „Dachdecker sollen Dächer eindecken, aber die kunstvollen Metallarbeiten gehören in Spezialistenhände!“
Durch den Messekontakt mit Herrn Cordes hat es sich ergeben, dass Herr Müller schon seit einigen Jahren auch in unserer Heideregion tätig ist. So hat er bereits in Lüneburg und in Bad Bevensen Spuren seines Könnens als sichtbares Zeichen an Kirchenbauten hinterlassen. Er arbeitet viel für die öffentliche Hand, für die Kirche, aber auch für Privatpersonen. Mancher Villenbesitzer wünscht sich für sein Heim einen kunstvollen Dachschmuck, den Christoph Müller und sein Sohn Thomas individuell anfertigen. 95 % der Kirchenaufträge werden laut Müller von den evangelischen Kirchen erteilt. Dabei geht es aber nicht nur um Dach- und Fensterschmuck oder Wetterfahnen aus Metall, auch manches Utensil im Inneren der Kirchen ist in Müllers kundigen Händen entstanden, z. B. eine kupferne Taufkanne als Ergänzung zum barocken hölzernen Taufengel im südbrandenburgischen Großlübbenau im Spreewald, wie man auf der Seite der Referenzen auf Müllers Internetseite www.mueller-wurzen.de nachlesen kann.
Den interessierten Zuschauern des Spektakels der Wiederherstellung des Dachschmucks an der Oldenstädter Klosterkirche bietet sich folgendes Bild:
Das kleine Türmchen unserer Oldenstädter Klosterkirche ist mit einem Stangengerüst versehen. Durch eine winzige Luke im mit Grünspan überzogenen Rundkuppeldach klettern Thomas Müller und der selbstständige Klempnermeister Stefan Polenz, der Vater und Sohn Müller unterstützt, in Bergsteigermanier und mit entsprechender Ausrüstung an ihren Arbeitsplatz in gut dreißig Metern Höhe. Das alte Rundkuppeldach hat eine neue glänzende Kupferspitzhaube mit einer langen Montagestange für die Schmuckelemente erhalten.
Darauf setzen Thomas Müller und Stefan Polenz die neue glänzende Metallkugel, die wie die nachfolgenden Metallelemente und Werkzeug mit einem Seilzug von Christoph Müller nach oben geführt wird. In die Kugel wird über eine Öffnung eine mit festen Gummihammerschlägen sicher verschlossene Kupferkartusche eingeschoben. Darin sind Informationen der Kirchengemeinde über Gemeindeleben und Klosterkirche, Gemeindebrief, Schriftverkehr zur Aktion der Neuanschaffung der Wetterfahne, Listen mit Sponsoren, aktuelle Tageszeitung und Bilder enthalten, die irgendwann in ferner Zukunft unseren Nachfahren aus unserer Zeit erzählen können. Noch ist die große in mehreren Ziehvorgängen über eine Form gedrückte und handgezogene Kugel sicher verpackt, um sie vor Beschädigungen und Hand- und Fingerabdrücken zu schützen. Handschweiß und Fingerabdrücke würden sofort unschöne Spuren auf dem glänzenden Metall hinterlassen.
Danach montieren die beiden Männer in luftiger Höhe bei nasskaltem Novemberwetter, das die Zuschauer des Geschehens unten am Boden vor Kälte zittern lässt, ein wie eine lange Trompete geformtes Rohr mit der breiten Öffnung direkt auf die Kugel. Das Rohr ist nicht nur Abstandhalter zwischen Kugel und der auf Gleitlagern aufgelegten und frei drehenden Wetterfahne, sondern unterstreicht mit seiner Länge auch den optischen Eindruck von Filigranheit und perfekten Proportionen. Die rotierende, nach historischem Vorbild in Rotguss (Zinn-Kupfer-Legierung) mit goldglänzendem Gegengewicht auf der anderen Seite gefertigte Wetterfahne mit der Jahreszahl 1621, wie sie auch im Original zu sehen ist, dreht sich leicht und geschmeidig auf den Gleitlagern. Noch ist auch die Wetterfahne zum Schutz mit dicken Plastikhüllen umwickelt. Als krönenden Abschluss erhält der mehrteilige neue Dachschmuck ein feststehendes, goldglänzendes Kreuz, dessen Arme exakt ausgerichtet werden. Es sieht aus, als wolle es den von der Straßenseite auf die Kirche zukommenden Betrachter und Kirchgänger mit offenen Armen in die Kirche einladen und zum Gottesdienst begrüßen.
Nachdem die dicken Plastikhüllen von den zu schützenden Metallobjekten entfernt sind, erscheint die neue Dachbekrönung des Türmchens unserer Oldenstädter Klosterkirche in herrlichem Glanz. Noch lässt sich bei dem trüben Novemberwetter nur erahnen, in welcher Pracht und Schönheit der neue Dachschmuck wohl bei hellem Sonnenschein erstrahlen wird.
Die Teilstücke der alten Dachbekrönung werden gründlich und vorsichtig gereinigt und Ausstellungszwecken zugeführt.

